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Infrarotfotografie

Ich sehe was, was du nicht siehst!

So könnte das Motto für Infrarotfotografen lauten. Infrarotfotografien zeigen uns die Welt in einem ganz anderen Licht. Man bewegt sich sozusagen auf unbekannten, unsichtbaren Wegen. Verwendung findet sie bei der Landschafts-, Nacht- und Astro-Fotografie (eines meiner Hobbies), bei der Weltraumforschung, der Polizei, dem Militär und anderen Sicherheitsdiensten, bei der Werkstoffprüfung (Materialfehlererkennung) und um Bilderfälschungen (es werden auch die untersten Farbschichten und das Trägermaterial sichtbar) ausfindig zu machen.
Auf den ersten Blick sehen diese Bilder wie Winterbilder mit Raureif aus. Das Chlorophyll, ein grüner Farbstoff der Blätter, reflektiert besonders gut das farblose und unsichtbare Infrarotlicht (bekannt als Woodeffekt). Infrarotbilder haben einen enormen Kontrastbereich, weil sie Verunreinigungen der Luft, Dunst und Luftflimmern herausfiltern.

Der Infrarotbereich liegt zwischen sichtbaren Licht und der Terahertz-Strahlung (300 GHz – 400 THz). Für die Fotografie ist nur das nahe Infrarot von Bedeutung, denn ein Bildsensor kann nur 0,7 – 1,0 µm (700nm – 1000nm) aufnehmen. Das ist das Spektrum, das sich direkt an dem sichtbaren roten Bereich anschließt. Erst die modifizierte Kamera gewährt uns den Einblick und übersetzt diesen nach Bearbeitung ins Schwarzweiße.

Spektrum elektromagnetischer Wellen
Spektrum elektromagnetischer Wellen

Infrarotfilter

Mit Hilfe eines Infrarotfilters vor dem Objektiv einer Kamera, der den sichtbaren Teil des Lichts blockiert und nur den infraroten Bereich durchlässt, kann man Infrarotfotografie eingeschränkt ermöglichen. Warum eingeschränkt? Digitale Kameras haben in der Regel einen Infrarotsperrfilter (Teil des Tiefpassfilters) verbaut, weil die Farben ohne Filter verfälscht dargestellt würden. Dieser Sperrfilter blockiert einen großen Teil des Infrarotspektrums, so dass sehr lange Belichtungszeiten erforderlich sind. Selbst bei guten Lichtverhältnissen sprechen wir hier bei Blende 5,6 und ISO 100 von 0,5 bis 5 Sekunden, also muss die Kamera auf das Stativ und das Motiv muss stillhalten!

Welche Filter sind empfehlenswert?

Standard IR-Filter sind der Hoja R 72 oder ein anderes Fabrikat mit 720 nm. Ich selbst benutze von der Fa. Neewer ein 5er-Set mit IR680, IR720, IR760, IR850, IR950nm. So entscheide ich, wieviel Anteile des sichtbaren Lichts zur Aufnahme dazu kommen darf. Infrarotfilter über 720nm lassen kaum sichtbares Licht durch und produzieren mur Schwarz-Weiß-Bilder. IR-Filter mit 645nm (Heliopan RG645) oder 680nm (Neewer IR 680) geben noch einen blauen Himmel wieder.

Fotografieren

Kamera mit Fernbedienung auf Stativ, Bildformat immer RAW, manueller Modus, ISO 100, Blende 4 bis 5,6, manuell fokussieren, dann erst den Filter aufschrauben (man sieht danach nicht mehr viel), nun eine Belichtungsreihe aufnehmen und auswerten.

Lichtverhältnisse

Die besten Fotos gelingen bei direktem Sonnenlicht von der Seite oder von hinten. Gegenlichtaufnahmen vermeiden, sie wirken kontrastlos und sind eine starke Gefahr für das Auge, wenn durch den Kamerasucher geblickt wird. Die beste Zeit einer Aufnahme ist, wenn die Bäume noch Blätter tragen (Chlorophyll - grüne Blätter werden weiß).

Infrarot-Fotografie mit Eingriff in die Kameratechnik

Um lange Belichtungszeiten für eine Infrarot-Aufnahme zu vermeiden, muss der Tiefpassfilter (IR-Sperrfilter) vor dem Sensor der Kamera entfernt werden und gegen einen IR-durchlässigen Filter ausgetauscht werden. Für die Astrofotografie ist dieser Eingriff eine Notwendigkeit, um z. B. galaktische Nebel und Galaxien im richtigen Farbspektrum aufzunehmen. Für den professionellen Eingriff/Umbau in die Kameratechnik gibt es einige Anbieter, Kosten 200 bis 400 Euro. Der Umbau hat den Nachteil, dass die Kamera anschließend nur noch für die Infrarotfotografie und Falschfarben-Fotografie geeignet ist.

Infrarot-Fotografie ohne Eingriff in die Kameratechnik

Bei der Sony DSC F828 ist zwar ein IR-Filter verbaut, dieser klappt jedoch im Nightshot-Modus (Nachtfotografie) weg. Damit aber nicht durch die Kleidung von Personen fotografiert werden kann, ist die Einstellung auf F 2,0 und 1/30 Sek. begrenzt, so dass bei Tageslicht für eine Überbelichtung gesorgt ist. Diese Einschränkung kann aber durch das Anlegen eines Neodym-Magneten von außen, der den Impuls des internen Magnetschalters imitiert, umgangen werden.

Nachbearbeitung der RAW-Datei am PC (Photoshop)

  1. Weißabgleich - Das RAW-Bild in CameraRaw einladen > Farbton auf – 150 > in DNG speichern > Photoshop beenden > Ein neues Kameraprofil erstellen > dazu Adobe DNG Profile Editor aufrufen (vorher den Editor installieren) > unter Color Matrices > Weißbalance > Temprature auf ca. 50, Tint (Farbton) auf ca. -25 >Export Profile > Namen eingeben > Exportieren > Editor verlassen > mit Photoshop das RAW-Bild wieder aufrufen > Camera Raw > Kalibrierung > Profile > das neue Profil anklicken (das Bild wird evetuell stark grün) > danach oben die Pipette für den Weißabgleich aktivieren und im Bild auf eine ehemals grüne Fläche klicken > Kontrast, Tiefen, Klarheit, Dynamik anheben > unten anklicken Bild öffnen.
  2. Kanaltausch Rot und Blau - Für einen blauen Himmel werden Rotkanal und Blaukanal getauscht, dazu auf Neue Einstellungsebene klicken > Kanalmixer (oder direkt auf Kanalmixer gehen) > Rotkanal aufrufen > Rot auf 0 und Blau auf 100 > Blaukanal wählen > Blau auf 0 und Rot auf 100 einstellen.
  3. Restfarben entfernen - Über eine weitere Einstellungsebene Farbton/Sättigung werden alle Farbkanäle außer Blauin der Sättigung auf 0 gesetzt > Blau-Sättigung kann etwas verstärkt und der Farbton angeglichen werden.
  4. Kontrast mit Gradationskurven erhöhen - Die gerade Linie in eine leichte S-Kurve bringen
  5. Mit der Einstellungsebene Tonwertkorrektur wird zuletzt noch die korrekte Belichtung überprüft.

Ein Gedanke zu „Infrarotfotografie

  1. Stefan Eggers

    Prima Einstieg in das Thema!
    Für die Bastler unter euch, die über eine ausgediente Kamera verfügen, ist vielleicht dieser Artikel bei Heise interessant.
    Auch die Portraitfotografie liefert sehenswerte Ergebnisse, allerdings ist hier wohl etwas mehr Nacharbeit erforderlich. Ein paar Tipps dazu sind auf eye.de zu finden.

    Antworten

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